Photovoltaik: Planung und Größe

Photovoltaik auf der Nordseite: Wann sich das Dach doch lohnt

Eine Nordseite mit flacher Neigung liefert mehr Strom, als viele denken. Bei steilen Dächern bricht der Ertrag dagegen so stark ein, dass sich die Module kaum noch rechnen.

Kurz gefasst

Wie viel Ertrag eine Nordseite je nach Dachneigung bringt, gerechnet mit dem EU-Werkzeug PVGIS, was die Kilowattstunde dann kostet, wann die Nordseite als Erweiterung sinnvoll ist und wann du besser darauf verzichtest.

Die kurze Antwort: Photovoltaik auf der Nordseite lohnt sich vor allem bei flachen Dächern bis etwa 20 Grad Neigung. Dort erreicht sie laut PVGIS für Kassel noch 67 bis 76 Prozent des Ertrags eines optimalen Süddachs. Bei 30 Grad sind es rund 58 Prozent, bei 45 Grad nur noch 45 Prozent. Sinnvoll ist die Nordseite meist als Ergänzung, wenn Süd, Ost und West schon belegt sind und du viel Strom selbst verbrauchst.
76 %

Ertrag Nord bei 10 Grad im Vergleich zu Süd bei 30 Grad

58 %

Ertrag Nord bei 30 Grad, typisches Satteldach

bis 20°

Dachneigung, bis zu der die Nordseite meist gut rechnet

Wie viel Ertrag bringt eine Nordseite?

Die Antwort hängt fast vollständig von der Dachneigung ab. Je flacher das Dach, desto weniger spielt die Himmelsrichtung eine Rolle. Ein flach liegendes Modul sieht den Himmel fast wie ein nach Süden geneigtes. Ein steiles Norddach dagegen blickt von der Sonne weg.

Wir haben die Werte mit dem frei zugänglichen Rechenwerkzeug PVGIS der EU-Kommission berechnet. Standort ist Kassel, gerechnet mit 1 kWp und 14 Prozent Systemverlusten. Andere Orte liegen höher oder niedriger, das Verhältnis zwischen den Ausrichtungen bleibt aber ähnlich.

DachneigungSüd, kWh je kWpNord, kWh je kWpNord im Vergleich zu Süd 30°
10 Gradca. 930ca. 770ca. 76 %
20 Gradca. 980ca. 680ca. 67 %
30 Gradca. 1.010ca. 580ca. 58 %
45 Gradca. 1.010ca. 450ca. 45 %

Zum Vergleich: Eine Ost- oder Westseite mit 30 Grad kommt in derselben Rechnung auf rund 820 kWh je kWp. Eine Nordseite mit 10 Grad liegt also nicht weit darunter. Wie sich Ost-West und Süd im Detail unterscheiden, zeigt der Ratgeber zur PV-Ausrichtung.

Ab welcher Neigung wird es kritisch?

Eine feste Grenze gibt es nicht, aber einen klaren Trend. Bis etwa 20 Grad verliert die Nordseite moderat. Zwischen 25 und 35 Grad, der typischen Neigung vieler Satteldächer, sinkt der Ertrag auf knapp 60 Prozent. Ab 40 Grad wird es in den meisten Fällen unwirtschaftlich.

Nordost- und Nordwestdächer liegen dazwischen. Ein Nordwestdach mit 30 Grad kommt in der PVGIS-Rechnung auf rund 660 kWh je kWp, also etwa 65 Prozent des Süddachs. Die Abendsonne fällt dort noch in einem brauchbaren Winkel auf die Module.

Tipp: Gib in PVGIS deine eigene Adresse, Neigung und Ausrichtung ein. Das dauert fünf Minuten und ersetzt jede Faustformel. Die Neigung findest du in Bauplänen oder misst sie mit einer Handy-App am Dachfenster.

Was kostet die Kilowattstunde vom Norddach?

Die Module auf der Nordseite kosten dasselbe wie auf der Südseite. Weil sie weniger Strom erzeugen, wird jede Kilowattstunde teurer. Die folgende Rechnung ist bewusst vereinfacht: 1.500 Euro je kWp, 25 Jahre Laufzeit, ohne Wartung, Alterung und Finanzierung. Die Preisspanne für schlüsselfertige Anlagen liegt laut unserem Beitrag zu den Kosten einer Photovoltaikanlage bei 1.200 bis 1.700 Euro je kWp, Stand 2026.

DachseiteErtrag je kWpErzeugungskosten je kWh
Süd, 30 Gradca. 1.010 kWhca. 5,9 Cent
Nord, 10 Gradca. 770 kWhca. 7,8 Cent
Nord, 20 Gradca. 680 kWhca. 8,9 Cent
Nord, 30 Gradca. 580 kWhca. 10,3 Cent
Nord, 45 Gradca. 450 kWhca. 13,3 Cent

Selbst bei 30 Grad liegen die Erzeugungskosten damit unter dem Preis, den du für Strom aus dem Netz zahlst. Die Rechnung geht aber nur auf, wenn du den Strom selbst nutzt. Speist du ihn ein, bekommst du die Einspeisevergütung, und die kann unter den Erzeugungskosten liegen.

Wann passt die Nordseite zu deinem Verbrauch?

Die Nordseite liefert über den Tag gleichmäßiger, aber auf niedrigem Niveau. Ihren Anteil holt sie vor allem im Sommer, wenn die Sonne hoch steht und morgens und abends auch aus nördlichen Richtungen scheint. Im Winter trägt sie wenig bei.

Das passt, wenn im Sommer viel Strom im Haus gebraucht wird. Ein E-Auto mit Überschussladen an der Wallbox, eine Klimaanlage oder ein großer Haushalt profitieren. Für eine Wärmepumpe, die im Winter den meisten Strom braucht, bringt die Nordseite dagegen wenig.

Oft ist die Nordseite die Erweiterung einer bestehenden Planung. Wenn Süd, Ost oder West schon belegt sind, kostet die zusätzliche Fläche wenig Fixkosten, weil Gerüst und Wechselrichter ohnehin da sind. Wie groß die Anlage insgesamt werden sollte, rechnest du mit dem Ratgeber PV-Anlage Größe berechnen. Wie viel Leistung überhaupt auf die Fläche passt, zeigt der Beitrag kWp pro Quadratmeter Dachfläche.

Worauf musst du technisch achten?

Module mit unterschiedlicher Ausrichtung gehören auf eigene Stränge. Sonst bremsen die schwächeren Nordmodule die Südmodule aus. Dein Wechselrichter braucht dafür mehrere getrennte Eingänge. Hinweise dazu stehen im Beitrag zum Wechselrichter richtig auslegen.

Auf Norddächern bleibt Schnee länger liegen, weil die Sonne ihn nicht wegtaut. Moos und Algen finden auf der schattigen Seite ebenfalls bessere Bedingungen. Bei sehr flachen Dächern sammelt sich zudem Schmutz an der unteren Modulkante. Plane deshalb eine Sichtkontrolle im Jahr ein. Auch der Zustand der Dachhaut zählt: Bevor Module für 25 Jahre auf das Dach kommen, sollte es so lange halten. Häufige Planungsfehler sammelt die Liste der Fehler beim PV-Kauf.

Häufige Fragen zur Photovoltaik auf der Nordseite

Lohnt sich die Nordseite ohne Stromspeicher?

Bei flacher Neigung und hohem Tagesverbrauch oft ja. Ohne Speicher zählt, wie viel Strom du direkt nutzt. Speist du den Großteil ein, rechnet sich ein steiles Norddach meist nicht.

Gibt es spezielle Module für Nordseiten?

Nein, es werden normale Module verwendet. Bifaziale Module bringen auf geneigten Dächern kaum Vorteile, weil ihre Rückseite auf der Dachhaut aufliegt und kaum Licht bekommt.

Kann ich Nord- und Südmodule an einen Strang hängen?

Davon ist abzuraten. Die unterschiedliche Einstrahlung senkt die Leistung des ganzen Strangs. Besser sind getrennte Stränge an eigenen Eingängen des Wechselrichters oder Modulwechselrichter.

Wird die Nordseite bei der Förderung anders behandelt?

Nach unserem Stand nicht. Die Einspeisevergütung richtet sich nach Anlagengröße, Einspeiseart und Zeitpunkt der Inbetriebnahme, nicht nach der Himmelsrichtung. Prüfe die aktuellen Bedingungen vor dem Kauf beim Netzbetreiber.

Wie verlässlich sind die PVGIS-Werte?

PVGIS rechnet mit langjährigen Satellitendaten und liefert gute Durchschnittswerte. Einzelne Jahre weichen ab. Verschattung durch Bäume oder Nachbarhäuser erfasst das Werkzeug nur, wenn du sie selbst einträgst.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Angaben ohne Gewähr · Ertragswerte berechnet mit PVGIS 5.3 (Standort Kassel, 1 kWp, 14 % Verluste) am 26.09.2026. Kostenrechnung vereinfacht, ohne Wartung, Alterung und Finanzierung.

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