Photovoltaik

PV-Ausrichtung: Ost-West oder Süden? Der Ertragsvergleich

Das Süddach gilt als Königsweg, doch viele Häuser haben ihre großen Flächen nach Osten und Westen. Die gute Nachricht: Der Unterschied ist kleiner, als die meisten denken.

Kurz gefasst

Hier stehen die Erträge in kWh je kWp für Süd, Ost-West, Ost und West, der Einfluss des Neigungswinkels, die echten Kosten von Verschattung und eine Entscheidungshilfe nach Verbrauchsprofil.

Die kurze Antwort: Bei der Photovoltaik-Ausrichtung liefert Süd den höchsten Gesamtertrag, Ost-West den höheren Eigenverbrauch. Ein Süddach bringt in Deutschland etwa 950 bis 1.050 kWh je kWp im Jahr, eine Ost-West-Anlage rund 85 bis 90 Prozent davon. Dafür verteilt Ost-West den Strom über den ganzen Tag statt auf die Mittagsspitze. Wer viel Strom selbst nutzt, fährt mit Ost-West oft besser, obwohl weniger Kilowattstunden herauskommen.
950 bis 1.050

kWh je kWp im Jahr bei Südausrichtung und 30 Grad Neigung

85 bis 90 %

davon erreicht eine Ost-West-Anlage auf beiden Dachseiten

30 bis 35°

optimaler Neigungswinkel für den Jahresertrag

Ost-West oder Süd: Welche Ausrichtung bringt mehr Ertrag?

Die reine Ertragsfrage ist schnell beantwortet. Süd steht an der Spitze, alles andere fällt moderat ab. Die Tabelle zeigt typische Werte für Deutschland bei einer Neigung von 30 Grad, Stand 2026.

AusrichtungErtrag je kWprelativ zu SüdEigenverbrauch ohne Speicher
Süd950 bis 1.050 kWh100 %25 bis 30 %
Süd-Ost oder Süd-West910 bis 1.000 kWh95 bis 97 %28 bis 33 %
Ost-West, beide Seiten820 bis 920 kWh85 bis 90 %32 bis 40 %
nur Ost oder nur West780 bis 880 kWh80 bis 85 %28 bis 35 %
Nord600 bis 700 kWhrund 65 %gering

Die Spanne innerhalb einer Zeile kommt vom Standort. Süddeutschland liegt am oberen Ende, die Küste und der Nordwesten eher am unteren. Für dein Dach rechnest du das kostenlos mit dem europäischen PVGIS-Rechner nach.

Warum Ost-West trotzdem oft besser rechnet

Ein Süddach erzeugt eine steile Spitze um die Mittagszeit. Genau dann ist in vielen Haushalten niemand da. Der Überschuss geht für wenige Cent ins Netz, während du morgens und abends teuren Strom einkaufst.

Eine Ost-West-Anlage liefert zwei flachere Buckel: einen am Vormittag, einen am Nachmittag. Die Erzeugungskurve deckt sich besser mit dem Verbrauch. Das hebt die Eigenverbrauchsquote um mehrere Prozentpunkte, und jede selbst genutzte Kilowattstunde ist rund dreimal so viel wert wie eine eingespeiste.

Ein zweiter Vorteil betrifft den Wechselrichter. Weil beide Seiten nie gleichzeitig Vollleistung liefern, darf er kleiner ausfallen als die Modulleistung. Das spart Geld und passt zur Auslegung, die im Ratgeber zur richtigen Größe der PV-Anlage beschrieben ist.

Welchen Einfluss hat der Neigungswinkel?

Der Winkel wirkt schwächer als die Himmelsrichtung, aber messbar. Diese Werte gelten für ein Süddach, jeweils bezogen auf das Optimum von 30 bis 35 Grad.

NeigungAnteil vom OptimumBesonderheit
0 Grad, flachrund 88 %Schmutz bleibt liegen, Aufständerung sinnvoll
15 Gradrund 96 %typisch für flache Bungalowdächer
30 bis 35 Grad100 %bestes Jahresergebnis
45 Gradrund 98 %mehr Ertrag im Winter
60 Gradrund 91 %gut bei Wärmepumpe und Schneelage
90 Grad, senkrechtrund 70 %Fassade oder Balkongeländer

Ein steileres Dach verschiebt den Ertrag in Richtung Winterhalbjahr. Bei tief stehender Sonne trifft das Licht dann flacher auf die Module. Für Haushalte mit Wärmepumpe ist das ein echter Vorteil, denn dort liegt der Strombedarf im Winter am höchsten.

Wie stark kostet Verschattung wirklich?

Verschattung wirkt härter als jede Ausrichtungsfrage. Liegt ein einzelnes Modul im Schatten, bremst es ohne Gegenmaßnahmen den ganzen Strang aus. Typische Verluste liegen zwischen 5 und 20 Prozent im Jahr, bei einem nahen Baum oder Nachbargiebel auch deutlich darüber.

Moderne Module haben Bypass-Dioden, die den betroffenen Teil überbrücken. Bei dauerhafter Teilverschattung helfen Leistungsoptimierer oder Modulwechselrichter. Beide kosten rund 60 bis 120 Euro je Modul und lohnen sich nur an den betroffenen Stellen.

Prüfe den Schattenwurf vor der Planung über den Tages- und Jahresverlauf. Ein Kamin, der im Juni harmlos wirkt, verschattet im Oktober die halbe Fläche. Diese und weitere Stolperstellen sammelt der Beitrag zu den häufigsten Fehlern beim PV-Kauf.

Wann lohnt es sich, beide Dachhälften zu belegen?

Module sind der günstigste Teil der Anlage geworden. Gerüst, Montage und Wechselrichter fallen ohnehin an, deshalb sinkt der Preis je zusätzlichem Kilowatt Peak spürbar. Wer beide Seiten belegt, kauft Ertrag also vergleichsweise billig ein.

Sinnvoll ist das in drei Fällen: bei hohem Eigenverbrauch, bei geplanter Wärmepumpe oder E-Auto, und wenn die Südfläche zu klein für den Bedarf ist. Gegen die Vollbelegung sprechen ein knappes Budget und eine sehr kleine Grundlast.

Rechne nicht die Fläche, sondern den Bedarf. Ein Haushalt mit 4.500 kWh Verbrauch plus Wärmepumpe braucht mehr Fläche, als ein Süddach meist hergibt. Wie du den Eigenverbrauch anschließend hochziehst, steht im Ratgeber zum Optimieren des Eigenverbrauchs.

Welche Ausrichtung passt zu deinem Verbrauchsprofil?

Im Homeoffice läuft der Verbrauch über den ganzen Tag verteilt. Ost-West passt hier am besten, weil morgens und nachmittags Strom da ist. Bei Berufstätigen mit leerem Haus am Tag entscheidet dagegen der Speicher, und dann darf es ruhig die ertragsstarke Südfläche sein.

Mit Wärmepumpe zählt der Winterertrag. Süd mit steiler Neigung bringt in den kalten Monaten am meisten. Wer sein E-Auto tagsüber zu Hause lädt, profitiert wieder von der breiten Ost-West-Kurve. Eine neutrale Erstberatung dazu bieten die Verbraucherzentralen an.

Wer beides plant, Wärmepumpe und E-Auto, fährt mit einer Kombination am besten: die Südfläche für den Winterertrag, dazu die Ostseite für den Morgen. Ein Speicher ergänzt das sinnvoll, ersetzt aber keine fehlende Dachfläche. Und wenn die Entscheidung knapp ausfällt, gilt: Mehr Module schlagen die perfekte Himmelsrichtung.

Häufige Fragen zur Ausrichtung

Lohnt sich ein reines Ostdach?

Ja, mit 80 bis 85 Prozent des Südertrags bleibt die Anlage wirtschaftlich. Der Strom kommt am Vormittag, was zu Haushalten mit früher Grundlast und Homeoffice gut passt.

Bringt eine Nachführung mehr?

Technisch ja, bis zu 25 Prozent mehr Ertrag. Für Einfamilienhäuser rechnet sich die Mechanik wegen Anschaffung, Wartung und Störanfälligkeit aber praktisch nie.

Was ist bei Ost-West mit dem Wechselrichter?

Er braucht zwei getrennte Eingänge mit eigenem Regler, sogenannte MPP-Tracker. Sonst zieht die schwächere Dachseite die stärkere herunter, und du verlierst mehrere Prozent Ertrag.

Wie viel kostet eine falsche Ausrichtung?

Zwischen Süd und Ost-West liegen etwa 10 bis 15 Prozent Jahresertrag. Das ist weniger als der Verlust durch dauerhafte Verschattung oder eine zu klein geplante Anlage.

Kann ich später eine Dachseite ergänzen?

Meist ja, wenn Wechselrichter und Zählerplatz Reserve haben. Plane das gleich mit ein, denn eine spätere Erweiterung kostet erneut Gerüst und Montage.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Ertragswerte sind Richtwerte für Deutschland, der genaue Wert hängt von Standort, Dach und Verschattung ab.

Weitere Themen aus „Planung & Größe“

Passende Nachbarthemen