Fassadendämmung

Hinterlüftete Fassade oder WDVS: Was für dein Haus besser passt

Beide Systeme dämmen die Außenwand, arbeiten bauphysikalisch aber völlig gegensätzlich. Das eine klebt die Dämmung dicht auf die Wand, das andere lässt Luft dahinter zirkulieren.

Die kurze Antwort: Ein WDVS kostet 130 bis 220 Euro je Quadratmeter und ist die günstigere Lösung für gerade Wände mit gutem Untergrund. Die hinterlüftete Fassade liegt bei 220 bis 400 Euro je Quadratmeter, verzeiht Feuchte deutlich besser und hält doppelt so lange. Sie ist die richtige Wahl bei feuchtem Mauerwerk, Schlagregenlast, unebenem Untergrund oder wenn du eine Holz- oder Plattenoptik willst.
130 bis 220 €

je m² für ein WDVS mit EPS, verputzt und gestrichen

220 bis 400 €

je m² für die hinterlüftete Vorhangfassade mit Unterkonstruktion

2 bis 4 cm

Luftspalt, den die Hinterlüftung zwischen Dämmung und Bekleidung braucht

Wie sind die beiden Systeme aufgebaut?

Der Unterschied steckt im Schnitt durch die Wand.

Beim WDVS wird die Dämmplatte direkt auf das Mauerwerk geklebt und zusätzlich verdübelt. Darauf kommt Armierungsmörtel mit eingebettetem Gewebe, danach Grundierung und Oberputz. Der Aufbau ist geschlossen und trägt sich selbst.

Bei der hinterlüfteten Fassade montierst du zuerst eine Unterkonstruktion aus Holz oder Aluminium. Dazwischen liegt die Dämmung, meist Mineralwolle. Davor folgt der Luftspalt, ganz außen die Bekleidung aus Faserzementplatten, Holz, Schiefer, Klinkerriemchen oder Metall.

Der Luftspalt ist der entscheidende Punkt. Er ist unten und oben offen. Feuchtigkeit, die durch die Wand oder von außen hineinkommt, trocknet dort ab, bevor sie Schaden anrichtet.

Die Unterkonstruktion gleicht außerdem Unebenheiten aus. Bei krummen Altbauwänden ist das ein handfester Vorteil, weil ein WDVS dort teuer aufgespachtelt werden müsste.

Was kosten beide Varianten je Quadratmeter?

Die folgenden Spannen gelten für ein Einfamilienhaus mit Gerüst, Stand 2026. Ohne Fenster- und Türlaibungen gerechnet.

PostenWDVSHinterlüftete Fassade
Dämmstoff, 16 cm25 bis 55 €/m²35 bis 70 €/m²
Unterkonstruktionentfällt35 bis 70 €/m²
Bekleidung oder Putzsystem35 bis 70 €/m²60 bis 160 €/m²
Montage50 bis 75 €/m²70 bis 85 €/m²
Gerüst10 bis 20 €/m²10 bis 20 €/m²
Summe130 bis 220 €/m²220 bis 400 €/m²

Bei 180 Quadratmetern Fassadenfläche bedeutet das grob 23.000 bis 40.000 Euro gegenüber 40.000 bis 72.000 Euro. Die Bekleidung treibt die Spanne am stärksten: Faserzement liegt am unteren Rand, Naturschiefer und Klinkerriemchen am oberen.

Eine ausführliche Aufschlüsselung der Einzelposten findest du im Beitrag zu den Kosten der Fassadendämmung.

Welches System ist sicherer gegen Feuchte und Schimmel?

Hier gewinnt die hinterlüftete Fassade klar. Der Luftspalt führt Feuchtigkeit ab, egal ob sie von innen diffundiert oder als Schlagregen von außen kommt.

Ein WDVS ist deshalb nicht automatisch riskant. Es setzt aber eine trockene, tragfähige Wand voraus. Genau daran scheitern viele Altbauten.

Diese Ausgangslagen sprechen gegen ein WDVS: aufsteigende Feuchte im Sockel, salzbelastetes Mauerwerk, Fachwerk, stark schlagregenbelastete Wetterseiten und Wände, die nachträglich innen gedämmt wurden.

Das oft diskutierte Algenwachstum auf WDVS-Putz hat eine bauphysikalische Ursache. Die Dämmung hält die Wärme im Haus, die Putzoberfläche kühlt nachts stärker aus und bleibt morgens länger feucht. Ein Dachüberstand von mindestens 40 Zentimetern entschärft das deutlich.

Wichtig bei beiden Systemen: Die Laibungen an Fenstern werden mitgedämmt. Sonst entsteht genau dort eine Schwachstelle, wie der Beitrag zu Wärmebrücken am Haus zeigt.

Was gilt beim Brandschutz und bei der Materialwahl?

Der Brandschutz entscheidet über den Dämmstoff, nicht über das System.

DämmstoffBaustoffklasseWärmeleitfähigkeitPasst zu
EPS, Styroporschwer entflammbar0,032 bis 0,040 W/mKWDVS, günstigster Standard
Mineralwollenicht brennbar0,032 bis 0,040 W/mKbeide Systeme, Standard bei Hinterlüftung
Holzfasernormal entflammbar0,038 bis 0,046 W/mKbeide, guter Hitzeschutz im Sommer
Resolharz oder PIRschwer entflammbar0,021 bis 0,026 W/mKWDVS bei knappem Platz

Für Ein- und Zweifamilienhäuser der Gebäudeklassen 1 und 2 sind EPS-Systeme in aller Regel zulässig. Ab bestimmten Gebäudehöhen verlangen die Landesbauordnungen zusätzliche Brandriegel aus Mineralwolle oder komplett nicht brennbare Dämmung.

Welche Höhe genau gilt, unterscheidet sich je Bundesland. Frag das vor der Materialentscheidung bei deinem Planer oder der unteren Bauaufsicht ab. Bei der hinterlüfteten Fassade kommt hinzu, dass der Luftspalt im Brandfall wie ein Kamin wirken kann, weshalb dort meist nicht brennbare Dämmung verbaut wird.

Wie lange hält welches System?

Ein fachgerecht ausgeführtes WDVS erreicht 30 bis 40 Jahre. Der Putz braucht dazwischen einen neuen Anstrich, üblicherweise nach 15 bis 20 Jahren, und kostet dann 25 bis 50 Euro je Quadratmeter samt Gerüst.

Die hinterlüftete Fassade hält 40 bis 60 Jahre und mehr. Faserzement und Schiefer sind praktisch wartungsfrei. Nur eine Holzbekleidung braucht regelmäßig Pflege, je nach Holzart und Lage alle 5 bis 10 Jahre.

Ein Punkt wird oft übersehen: Bei der hinterlüfteten Fassade lassen sich einzelne Platten tauschen. Beim WDVS ist eine Reparatur immer eine Fläche, weil Putzstruktur und Farbton sich nie exakt treffen.

Ein weiterer Vorteil ist die Lüftungsebene für Leitungen. Kabel, Zuluftrohre und Halterungen lassen sich später ohne Eingriff in die Dämmung nachrüsten.

Sind beide Systeme über die BEG förderfähig?

Grundsätzlich ja. Gefördert wird die Dämmung der Außenwand als Einzelmaßnahme, unabhängig davon, ob du sie als WDVS oder hinterlüftete Fassade ausführst. Entscheidend ist der erreichte U-Wert und nicht die Bauart.

Angaben unter Vorbehalt: Fördersätze, Boni, technische Mindestanforderungen und Höchstgrenzen der BEG werden regelmäßig geändert. Prüfe den zum Zeitpunkt deines Antrags gültigen Stand direkt beim BAFA und bei der KfW. Zum Ablauf des Zuschussverfahrens findest du die Grundlagen im Beitrag zur BEG-Förderung.

Bei der hinterlüfteten Fassade zählt die Unterkonstruktion in der Regel zu den förderfähigen Kosten, weil sie technisch zur Dämmmaßnahme gehört. Lass dir das vom Energieeffizienz-Experten vorab bestätigen, bevor du beauftragst. Er erstellt ohnehin die Bestätigung, die für den Antrag verlangt wird, und ordnet die Fassade in die sinnvolle Reihenfolge deiner Sanierung ein.

Häufige Fragen zu WDVS und hinterlüfteter Fassade

Kann ich eine hinterlüftete Fassade selbst bauen?

Die Unterkonstruktion ist statisch relevant und muss Windlasten aufnehmen. Für die Förderung brauchst du ohnehin einen Fachbetrieb. Eigenleistung beschränkt sich sinnvoll auf Vorarbeiten und Rückbau.

Wie viel Platz nimmt jedes System weg?

Ein WDVS mit 16 Zentimetern Dämmung baut rund 18 Zentimeter auf. Die hinterlüftete Fassade braucht mit Luftspalt und Bekleidung eher 24 bis 30 Zentimeter Gesamttiefe.

Was passiert mit Dachüberstand und Fensterbänken?

Beide müssen verlängert werden. Rechne mit 60 bis 150 Euro je laufendem Meter Dachanschluss und 80 bis 200 Euro je Fensterbank, inklusive Anpassung der Laibung.

Ist Mineralwolle beim WDVS sinnvoll?

Ja, sie ist nicht brennbar und diffusionsoffener als EPS. Der Aufpreis liegt bei etwa 15 bis 30 Euro je Quadratmeter, weil Platten schwerer sind und mehr Dübel brauchen.

Geht ein WDVS auf Fachwerk?

Auf sichtbarem Fachwerk nicht. Die Konstruktion muss außen abtrocknen können. Hier ist die hinterlüftete Fassade oder eine Innendämmung mit Feuchtenachweis der richtige Weg.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Preise sind Richtwerte für 2026. Förderbedingungen von BEG, BAFA und KfW sowie Brandschutzvorgaben der Länder ändern sich und sind vor der Beauftragung selbst zu prüfen.

Weitere Themen aus „Allgemein“