Dämmung
Einblasdämmung im Mauerwerk: Kosten, Ablauf und Grenzen
Zwischen den beiden Schalen deiner Klinkerfassade steckt ein Hohlraum. Ist dort nur Luft, verliert das Haus über die gesamte Fassade Wärme. Die Einblasdämmung füllt diesen Spalt an einem einzigen Arbeitstag, ohne Gerüst und ohne neue Fassade.
je Quadratmeter Wandfläche, fertig eingebaut inklusive Material
typische Bauzeit am Einfamilienhaus, ganz ohne Gerüst
übliche Amortisation bei den Energiepreisen von 2026
Was kostet eine Einblasdämmung wirklich?
Der Quadratmeterpreis liegt zwischen 15 und 40 Euro. Darin stecken Material, Bohren, Einblasen und das Verschließen der Löcher. Die Spanne kommt vor allem vom Dämmstoff und von der Höhe der Fassade.
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 120 bis 160 Quadratmetern Fassade landest du bei 2.500 bis 6.000 Euro. Ein Reihenmittelhaus mit nur zwei offenen Seiten bleibt oft unter 2.000 Euro.
Dazu kommen kleinere Posten, die viele Angebote getrennt ausweisen:
- Voruntersuchung mit Endoskop: 150 bis 400 Euro, wird bei Auftrag häufig verrechnet
- Hubarbeitsbühne: 250 bis 600 Euro, nötig bei mehr als zwei Vollgeschossen
- Bauzeitliche Nebenarbeiten: Abdecken von Fenstern, Ausbau alter Lüftungsgitter, meist unter 300 Euro
- Fördernachweise: Fachunternehmererklärung und Protokoll, oft im Preis enthalten
Der Vergleich macht den Reiz aus: Ein Wärmedämmverbundsystem kostet je nach Aufbau 150 bis 250 Euro je Quadratmeter. Die Kerndämmung erreicht bei deutlich geringerer Dämmwirkung einen großen Teil des Effekts zu einem Bruchteil des Preises. Wie sich die Fassadenvarianten unterscheiden, zeigt der Beitrag zu den Kosten der Fassadendämmung.
Hat deine Wand überhaupt eine Luftschicht?
Zweischalig gebaut wurde vor allem im Norden und Westen Deutschlands, häufig zwischen 1950 und 1985. Typische Anzeichen sind eine Verblendschale aus Klinker, eine Gesamtwandstärke ab etwa 30 Zentimetern und offene Stoßfugen in der untersten Ziegelreihe.
Sicherheit bringt nur die Bohrprobe. Der Betrieb setzt ein Loch von 12 bis 18 Millimetern in eine Fuge und schiebt ein Endoskop hinein. Fünf Fragen werden dabei beantwortet:
- Wie breit ist der Hohlraum tatsächlich? Unter vier Zentimetern lohnt sich der Aufwand selten.
- Liegt Mörtelbatzen oder Bauschutt im Spalt und blockiert das Granulat?
- Sitzt bereits eine alte Dämmmatte darin, etwa aus den Achtzigern?
- Ist die Innenschale dicht, oder rieselt das Material in Hohlräume ab?
- Zeigt sich Feuchte an der Innenseite der Verblendschale?
Der Betrieb prüft an mehreren Stellen, oben und unten, an jeder Himmelsrichtung. Eine Wand kann an der Wetterseite breit sein und an der Giebelseite fast zugemauert. Lass dir das Ergebnis schriftlich geben, mit Fotos aus dem Endoskop.
Welcher Dämmstoff kommt in den Hohlraum?
Drei Materialien decken fast alle Fälle ab. Sie unterscheiden sich in Dämmwirkung, Brandverhalten und Preis. Die Werte sind Richtwerte für 2026.
| Dämmstoff | Wärmeleitfähigkeit | Stärken | Preis je m² |
|---|---|---|---|
| EPS-Granulat | 0,033 bis 0,035 W/mK | beste Dämmwirkung, sehr rieselfähig, wasserabweisend | 18 bis 30 € |
| Mineralwolle-Granulat | 0,035 bis 0,040 W/mK | nicht brennbar, gut bei Holzbalkendecken im Anschluss | 20 bis 35 € |
| Perlite, hydrophobiert | 0,045 bis 0,050 W/mK | rein mineralisch, druckfest, sehr langlebig | 25 bis 40 € |
| Aerogel-Granulat | 0,018 bis 0,022 W/mK | für sehr schmale Spalte, Sonderfall | ab 90 € |
Bei vier bis sechs Zentimetern Hohlraum zählt jedes Zehntel. Dann führt EPS-Granulat. Ab acht Zentimetern spielt der Unterschied kaum noch eine Rolle, und Mineralwolle punktet mit dem Brandverhalten der Klasse A1.
Wichtig ist die Zulassung: Der Dämmstoff braucht eine bauaufsichtliche Zulassung für die Kerndämmung, und der Betrieb muss dafür zertifiziert sein. Ohne diesen Nachweis gibt es später kein Fördergeld.
Wie läuft der Einbau an einem Tag ab?
- Vormittags Bohrraster setzen. Die Löcher sitzen versetzt im Abstand von etwa einem Meter, in den Fugen statt im Stein.
- Randbereiche sichern. Rollladenkästen, Fensterlaibungen und Türstürze werden abgedichtet, damit nichts ausrinnt.
- Einblasen mit Druckluft. Von unten nach oben, Feld für Feld, bis das Granulat sichtbar aufsteht.
- Verfüllung kontrollieren. Erneut mit Endoskop, bei größeren Flächen zusätzlich per Thermografie.
- Löcher schließen. Mit farblich angepasstem Fugenmörtel, nach dem Trocknen kaum noch zu erkennen.
- Protokoll erstellen. Menge, Rohdichte, Materialcharge und Fotos, als Basis für die Fachunternehmererklärung.
Du musst dabei nicht zu Hause sein. Es wird nicht in Innenräumen gearbeitet, es gibt keinen Staub in der Wohnung, und die Heizung läuft normal weiter. Der Lärm beschränkt sich auf die Bohrphase am Vormittag.
Welche Förderung gibt es für die Kerndämmung?
Die Einblasdämmung zählt zur Gebäudehülle und ist damit über die BEG-Einzelmaßnahme grundsätzlich förderfähig. Zuständig ist das BAFA. Wichtig sind drei Punkte:
- Antrag vor Auftragsvergabe. Ein bereits erteilter Auftrag schließt die Förderung aus, außer der Vertrag steht unter aufschiebender Bedingung.
- Energieeffizienz-Experte. Für Einzelmaßnahmen an der Hülle ist eine Fachplanung und Baubegleitung vorgesehen.
- Technische Mindestanforderung. Für die Kerndämmung gilt eine Sonderregel, weil die Dämmstärke durch den Hohlraum baulich begrenzt ist.
Fördersätze, Boni und die genauen technischen Anforderungen werden regelmäßig geändert. Nenne dir hier niemand feste Prozentzahlen ohne Datum. Prüfe den Stand kurz vor dem Antrag direkt beim BAFA oder beim Energieeffizienz-Experten und hol dir die Zusage schriftlich. Eine Übersicht über die Programmlogik gibt der Beitrag zur BEG-Förderung.
Wann Einblasdämmung nicht geht
Es gibt klare Ausschlusskriterien. Ein seriöser Betrieb sagt dann ab, statt trotzdem zu bohren.
Zu schmaler Spalt. Unter vier Zentimetern bringt die Maßnahme kaum Wirkung und die Kosten je gesparter Kilowattstunde steigen stark.
Feuchte Außenschale. Bei stark schlagregenbeanspruchten Wetterseiten mit rissiger Fuge kann Wasser in die Dämmung ziehen. Erst die Fassade instand setzen, dann dämmen.
Verfüllter oder verbauter Hohlraum. Liegt der Spalt voller Mörtel, verteilt sich das Granulat nur teilweise. Das Ergebnis wären kalte Streifen in der Wand.
Fehlende Entwässerung. Die offenen Stoßfugen unten müssen frei bleiben. Sind sie zugemörtelt, staut sich Wasser im Spalt.
In diesen Fällen bleibt das Wärmedämmverbundsystem oder eine vorgehängte hinterlüftete Fassade. Beide kosten mehr, dämmen aber deutlich stärker. Welche Fehler dabei häufig passieren, sammelt der Beitrag zu Dämmfehlern im Altbau. Und wenn du gerade erst planst, hilft die richtige Reihenfolge der Sanierung beim Sortieren der Maßnahmen.
Häufige Fragen zur Einblasdämmung
Sackt das Granulat mit den Jahren zusammen?
Zugelassene Materialien sind auf Setzungsfreiheit geprüft. Entscheidend ist die richtige Einblasdichte. Verlange das Protokoll mit der eingebrachten Menge je Quadratmeter, damit du das im Zweifel belegen kannst.
Sieht man die Bohrlöcher hinterher?
Aus zwei Metern Abstand normalerweise nicht. Der Betrieb bohrt in die Fugen und schließt sie mit farblich angepasstem Mörtel. Bei sehr hellem Klinker bleibt ein leichter Farbunterschied möglich.
Kann ich die Einblasdämmung selbst machen?
Nein. Die Einblasmaschine, die Zulassung des Materials und die geforderte Verdichtung setzen einen zertifizierten Betrieb voraus. Ohne diesen Nachweis entfällt außerdem jeder Förderanspruch.
Wie viel Heizkosten spare ich konkret?
Bei einer ungedämmten Klinkerfassade sinkt der Heizbedarf meist um 5 bis 15 Prozent. In Euro sind das je nach Verbrauch und Preis 150 bis 500 Euro im Jahr.
Steigt das Schimmelrisiko in den Räumen?
Im Gegenteil. Die Innenwand wird wärmer, deshalb fällt dort seltener Kondenswasser aus. Kritisch bleiben nur die Wärmebrücken an Fensteranschlüssen und Rollladenkästen.
Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Preise sind Richtwerte für 2026, Förderbedingungen ändern sich laufend und sind vor dem Antrag zu prüfen.
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